Einstellung und Schicksal:

Warum erwerben Menschen ganz unterschiedliche Grundüberzeugungen über das Leben? Warum haben einige Personen Einstellungen, die ihr Leben, ihre Talente und ihr Glück blockieren, während andere Menschen Einstellungen erworben haben, die ihnen das Leben, den Umgang mit sich selbst und mit anderen leicht und sicher machen? Solche Grundüberzeugungen bestimmen, wie wir die Welt, die Mitmenschen und uns selbst wahrnehmen. Sie bestimmen weitestgehend unser Handeln und somit unser Schicksal. In der Therapie kann es gelingen, die destruktive (häufig unbewusste) Grundüberzeugung ins Bewusstsein zu heben und durch eine neue konstruktive Einstellung zu ersetzen. Entscheidend ist dabei, diese neue Einstellung im Denken und mit den Gefühlen zu verankern und so zu üben, dass sie das Leben bestimmen und leiten kann. Die neue Grundüberzeugung wird auf solche Weise immer stärker, während die alte abnimmt.

( Dr. Godehard Stadtmüller, geb. 1950, studierte Medizin und Philosophie in München und Montpellier. Er ist Facharzt für Neurologie und Psychiatrie sowie Facharzt für Psychotherapeutische Medizin und Lehrtherapeut in Bonding-Psychotherapie.)

 

Bonding-Psychotherapie

 

In Deutschland bekannt wurden Dan Casriel und sein Konzept in den 1970er Jahren durch die Zusammenarbeit mit dem damaligen Chefarzt der Psychosomatischen Klinik Bad Herrenalb, Dr. Walther H. Lechler. Seit dieser Zeit arbeiten mehrere psychosomatische Kliniken und niedergelassene Psychotherapeuten in Deutschland, den Niederlanden, in Belgien, Italien, Schweden, Frankreich und in den USA mit dieser Methode[1]. In den letzten Jahren wurde sie von Dr. Konrad Stauss, ehemaliger Chefarzt der Psychosomatischen Klinik Bad Grönenbach, auf der Grundlage der Konsistenztheorie von Grawe, der Bindungstheorie, der modernen Hirnforschung und des Prozess-Erfahrungsansatzes von Greenberg (1984) und Elliot (1999) in modernen psychologischen Begriffen beschrieben.

Therapiekonzept

Im Mittelpunkt dieses prozess- und erfahrungsorientierten Therapieansatzes steht die Befriedigung der lebensnotwendigen und neurobiologisch verankerten psychosozialen Grundbedürfnisse nach körperlicher Nähe (Bonding) und emotionaler Offenheit, Bindung, Autonomie, Selbstwert, nach körperlichem Wohlbehagen, nach Lust- und Lebenssinn. Im Bonding-Prozess, das heißt, in der von Casriel so bezeichneten "Erfahrung von emotionaler Offenheit", verbunden mit körperlicher Nähe zu einem anderen Menschen, sollen die Verletzungen innerhalb der Bindungen zu Eltern, Geschwistern und anderen prägenden Bindungspersonen aktiviert, und die damit verbundenen Gefühle, negativen Einstellungen, körperlichen Blockierungen und zerstörerischen Verhaltensmuster durchgearbeitet werden.[2]

 

Hypnotherapie nach Erickson

Die moderne Hypnotherapie wurde stark durch Milton H. Erickson geprägt. Bei der Hypnose nach Erickson handelt es sich um eine kommunikative Kooperation von Therapeut und Klient, wobei der Hypnotherapeut dem Klienten hilft, in eine hypnotische Trance zu gelangen und diesen Zustand für die Veränderungsarbeit zu nutzen. Im Tiefenentspannungszustand steht die vom Bewusstsein des Klienten ausgeübte Kontrolle mehr im Hintergrund, dadurch treten Zugänge zu unbewussten Prozessen stärker in den Vordergrund der Aufmerksamkeit. Milton Erickson hatte dabei ein erweitertes Verständnis vom Unbewussten, als es bis dahin mancherorts in der Psychotherapie üblich war. Er glaubte, dass das Unbewusste auch ein Quell an Ressourcen und Kreativität birgt, und nicht im engeren Freudschen Sinn vorwiegend der Sitz des Abgelehnten und Verdrängten sei. Er sah eher auch im Bewusstsein einen Störfaktor für Persönlichkeitsveränderungen. Er versuchte mit Tranceinduktionen den analytischen Verstand abzulenken, um dem Unbewussten Raum zu geben für kreative Veränderungen des Klienten. Der Hypnotherapeut nutzt hierfür auch Metaphern, Sprachbilder, Analogien und Wortspiele, um bei dem Klienten in Trance neue Ideen und Lösungsmöglichkeiten für seine Probleme anzuregen. Die Kontrolle darüber, welche dieser Ideen er annimmt und wie er sie nutzt, bleibt dabei vollkommen beim Klienten. In den späten Lebensjahren von Milton Erickson hat dieser keine klassischen Tranceinduktionen mehr angewendet. Er war ein Meister der Sprache, der durch Geschichten und Metaphern natürliche Trancezustände anregte und nutzte. Ericksons sprachliche Fähigkeiten haben viele seiner Schüler fasziniert